KRETA REISE 2026
20.02.26
So sah es also aus, als ich heute früh aus dem Fenster gesehen habe – nicht gerade frühlingshaft. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich seit vier Tagen krankheitsbedingt in der Warteschleife für meine Abreise nach Kreta hänge, nicht gerade aufbauend. Aber was soll’s, es sollte ohnehin noch dicker kommen: Auch morgen werde ich nicht fliegen. Denn jetzt, wo es mir wieder einigermaßen gut geht, ist meine Frau krank geworden, und ich werde sie natürlich nicht alleine im verschneiten Wien lassen. Also zum dritten Mal umbuchen – diesmal immerhin kostenlos, Aegean sei Dank.
Dabei ist alles natürlich bereits seit einer Woche vorbereitet: Fotoausrüstung und mobiles Tonstudio sind gepackt, Koffer mit Klamotten und Utensilien ebenso, und in der Küche wartet als letzter Handgriff meine Bialetti aufs Im-Koffer-versenkt-werden, was sie jetzt noch länger tun muss, weil es nun tatsächlich Montag wird. Es hilft nichts – Abwarten und Tee kochen inzwischen, um die Erkältungsreste vollends runterzuspülen und der Frau Gemahlin wieder auf die Beine zu helfen.
Während sich hier die Welt also wohl ein letztes Mal in Schnee hüllt, ist es auf Kreta offenbar bereits frühlingshaft: Ab Mitte kommender Woche fängt laut Prognose die Dauersonne an und es soll täglich bis 20° warm werden. Das hilft, den Stadtwinter noch ein Wochenende zu ertragen…
23.02.26
Endlich Montag, endlich Reisetag! Nach fast durchwachter Nacht (jaja, die Aufregung…) zum Bahnhof geeilt, dort in den bereits verspäteten Railjet das Gepäck und mich selbst hineingehieft und am Flugahfen dann ein wie üblich masslos überteurtes Miniaturfrühstück aus Papierbreze und schier untrinkbarem Kaffe für satte 11, 30 € (das waren mal 150 ÖS!!!) zu mir genommen – und ab in den Flieger. Langer Seufzer – alles wird gut. Naja, nicht gleich.
Ein paar Kleinigkeiten gab’s noch. So zum Beispiel grauenhafte Turbulenzen beim Start in Wien bis rauf in die Reiseflughöhe (das Sackerl hatte ich schon in der Hand) und ebensolche bei der Landung in Athen, wenn auch hier abgelenkt durch die wirklich nette Unterhaltung mit einer griechischen Kindergärtenerin, die neben mir im Sitz dann doch ihr Handy weglegte, weil ich so lustige Geschichten erzählt habe (sie übriogens auch).
Also zwei Stunden in der Hundehüttenatmosphäre der Umstiegshalle in Athen gehen dann auch vorüber, wenn man eine neue Handy-App zum Fotografieren hat, wo wirklich ziemlich coole Schwarzweissbilder rauskommen. Dann der Luftbus nach Heraklion, auch wieder turbulent, aber das war ich ja schon gewohnt. So fand ich alöso brav meinen Uralt-Lieblings-Panda bereitgestellt vor, einsam und verlassen wie aufgrund des „Sauberen Montags“ angekündigt – aber mit Schlüsselbox und gleich zum Losfahren bereit.
Gegen 19 h war ich dann endlich an meinem Reiseziel, zwar bereits im Dunkeln und in durchaus frühlingshafter Kühle, aber mein Vermieter hatte gottseidank seit Stunden vorgeheizt. Ich fand also ein warmes Haus vor, warf mein Gepäck ab und machte mich sofort auf den Weg, vorbei an einem rauschenden Dorffest mit unüberhörbar großartiger Musik (leider nur viel zu laut) – zur nächsten offenen Taverna, fand diese betriebsbereit und genoss ein festliches, dreigängiges Willkommensessen nebst Rotwein und Raki zum Spottpreis von 20 € (!!) – Kreta ist eben einfach großartig.
Beim Heimgehen durchs finstere Dorf habe ich dann nochmal auf den Auslöser gedrückt – in Schwarzweiss versteht sich. Auch das große Sauberer-Montag-Fest auf dem Dorfplatz hatte sich inzwischen verlaufen – still und reglos lag das kleine kretische Dorf im Schein der Strassenlaternen, nur ein paar Katzen kümmerten sich lautlos um die Hinterlassenschaften der ausgeuferten Feier…
24.02.26
Morgens um 9 Uhr (Ortszeit!) war die kretische Sonne bereits nicht mehr ignorierbar, und ich fiel förmlich aus dem Bett. Sonne? Blauer Himmel? Für einen Wiener im Februar eine regelrechte Epiphanie! Das Foto zeigt den Blick (durch das Fliegengitter) aus dem Fenster auf den Psiloritis, dessen Südflanke bereits schneefrei ist – vergangenes Jahr war das alles noch weiss, ich schwöre. Also Sonne pur, dazu stahlblauer Himmel und absolute Windstille: Tee kochen und raus auf die Dachterrasse. Pulli? Wozu das denn? Das T-Shirt ist schon fast zu warm!
Während des Tees überscchlagen sich meine Gedanken: Wohin zuerst? Was ist am wichtigsten? usw. Ich ziehe mich aber erst mal vollständigh an und kaufe im Dorf Joghurt, Obst und Honig ein – ohne Frühstück geht ja mal nichts. Aufgrund der Wetter-Situation entscheiude ich mich dann schnell für ein Scouting am Kommos-Beach, schmeisse Kamera und Sicherheits-Handtuch (man weiss ja nie) in den Rucksack und fahre los.
Als ich am Kommos ankomme, staune ich nicht schlecht: Wo vergangenes Jahr um die gleiche Zeit cirka 8-10 Wohnmobile herumstanden, ist heuer – kein Mensch! Alles leer, keine Autos, keine Hunde, keine Menschen.
Ich beschliesse, eine Dünenwanderung zu machen und nach Zelten Ausschau zu halten. Aber auch hier ist Präsenz offenbar rückläufig: Zwei unbewohnte Behausungen finde ich noch, sonst nur Natur: Blühende Anemonen, Klee und Sträucher.
